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Imbolc – Lichtmess

Vom jungen Licht und der Kunst des Übergangs

Imbolc liegt mitten im Winter.
Und doch beginnt hier etwas, das sich nicht mehr aufhalten lässt.

Obwohl die Landschaft noch winterlich wirkt, verändert sich die Natur. Die Tage werden länger, die Sonne geht jeden Morgen ein wenig früher auf und erreicht wieder Berggipfel, die sie wochenlang nicht berührt hat. Auch abends bleibt es spürbar länger hell. Noch ist nichts grün, nichts offen sichtbar – und doch steigt bereits der Saft in die Bäume.

Imbolc beschreibt genau diesen Moment. Nicht Frühling – nicht mehr reiner Winter- sondern ein Zwischenraum.

In alten Bildern liegt das Neue zu dieser Zeit noch im Bauch der Erde. Der Same beginnt zu keimen, weil er das neue Licht spürt. Er reagiert bereits auf die veränderten Bedingungen – und bleibt dennoch verborgen. Das Alte ist noch nicht vorüber, das Neue noch nicht da. Wer diese Zeit zu verstehen sucht, muss das Aushalten können.

Der Name Imbolc wird häufig mit dem „Anlegen der Schafe zum Säugen“ in Verbindung gebracht. Es ist die Zeit, in der die ersten Lämmer geboren wurden. Neues Leben war da – aber es war zart, verletzlich und vollständig angewiesen auf Schutz. Der Winter war für die Menschen früher eine harte Zeit. Die Vorräte gingen zur Neige, die Kräfte waren begrenzt. Umso genauer musste man spüren, wann der richtige Moment kam, sich wieder dem Außen zuzuwenden.

Imbolc war deshalb kein Fest des Überschwangs, sondern eines der Ausrichtung.

Der Februar galt als Reinigungsmonat. Häuser wurden geputzt, gelüftet, mit Birkenbesen ausgekehrt. Es wurde geräuchert, nicht feierlich, sondern selbstverständlich – um Altes zu lösen, um Platz zu schaffen. Diese Reinigung war praktisch und innerlich zugleich. Alte Themen, alte Lasten, Dinge, die man nicht mit in das neue Jahr tragen wollte, durften gehen.

Denn Imbolc markierte auch den Beginn des Bauernjahres.
Nicht im Sinne von sofortiger Arbeit auf den Feldern, sondern als inneren Übergang. Die Felder wurden gesegnet, die Werkzeuge geprüft. Die eigentliche Arbeit wurde noch vertagt. Der Weg führte von innen nach außen – aber langsam. Die Wurzeln des neuen Jahres lagen noch im Inneren.

In den mythologischen Bildern Europas wird dieser Übergang oft als Wechsel zweier Kräfte erzählt. Die dunkle Wintergöttin – in verschiedenen Regionen bekannt als Percht, Cerridwen oder Morrigane – zieht sich zurück. Mit Imbolc kommt Brigid. Die Lichtbringerin. Die „vom Strahlenkranz Umgebene“. Mit ihr beginnt eine andere Qualität von Zeit.

Brigid ist keine sanfte Frühlingsgestalt. Sie ist Hüterin des Feuers, der Inspiration, der Heilkunst, der Dichtung und des Handwerks. Sie steht für das Entfachen dessen, was noch keine Form hat. Für den Moment, in dem etwas entzündet wird – innerlich wie äußerlich.

Das Feuer spielt an Imbolc eine zentrale Rolle. In manchen Überlieferungen bewachte Brigid in dieser Nacht selbst das heilige Feuer. Brigids Feuer ist kein loderndes Sommerfeuer. Es ist das junge Licht. Der erste Frühlingsstrahl, der die Erde wieder wärmt. Der feurige Pfeil, der ins Herz trifft – als Erwachen von Lebenslust, Kreativität, Liebe. Ihre Attribute sind Flammen, Lichtsäulen, die Schlüsselblume, eine der ersten Frühlingsblumen, und das Feuer selbst.

Mit Brigid steigen, so erzählen es die alten Bilder, auch die Fruchtbarkeitskräfte wieder aus der Erde. Allen voran der Bär. Noch schwer, noch schlaftrunken, steckt er zu Imbolc zum ersten Mal die Nase aus seiner Höhle. Er prüft, wie weit der Frühling gediehen ist. Ist es noch zu früh, zieht er sich zurück – für weitere Wochen. Sechs oder vierzig Tage, sagen die alten Regeln, bis zur Tagundnachtgleiche.

Der Bär gilt als wiedergeborener, noch verhüllter Sonnengott. Wild. Ungezähmt. Berserkerhaft. Dieses Bild lebt bis heute in Märchen weiter. In Schneeweißchen und Rosenrot verbirgt sich unter dem dunklen Pelz Gold – ein junger Prinz, der junge Sonnenkönig. Die beiden Mädchen stehen für das neue Licht, für Brigid selbst. Und die alte Mutter, die dem Bären im Winter Schutz gewährt hat, ist die alte Erdmutter: Frau Holle, Frau Percht.
So tragen Märchen das alte Wissen weiter, oft unbemerkt.

Imbolc war auch die Zeit, in der die Wintergeister vertrieben wurden. Der Ursprung von Fasnacht und Fasching liegt hier. Lärmende Umzüge, Masken, Ausgelassenheit – nicht als bloße Feier, sondern als Fruchtbarkeitsritual. Das „Faseln“, von dem das Wort Fasnacht stammt, bedeutete fruchten, gedeihen. Eine Berührung mit dem schöpferischen Chaos. Ein Wecken der Lebenskräfte in Mensch und Landschaft.

Mit der Christianisierung wurde Imbolc zu Maria Lichtmess. Das Fest blieb – nur die Bilder änderten sich. Kerzen wurden geweiht, das junge Licht gesegnet für das kommende Jahr. In vielen Regionen trug man das Licht von Haus zu Haus, entzündete Herdfeuer neu, ging mit der Kerze durch Ställe und Räume. Drei Tropfen Wachs auf ein Brot galten als Schutz für das Jahr. Noch heute ist vieles davon im Brauchtum lebendig.

All das erzählt von einem tiefen Verständnis für Zeit.
Für Übergänge.
Für das Maß.

Imbolc erinnert daran, dass es Bewegungen gibt, die sich nicht beschleunigen lassen. Auch heute nicht. Dass das Neue Schutz braucht, bevor es sichtbar wird. Dass Reinigung nicht Selbstoptimierung meint, sondern Klärung. Und dass das Licht, so jung es auch ist, bereits wirkt – lange bevor der Frühling sichtbar wird.

 

Rituale zu Imbolc 

Imbolc war immer eine Zeit, in der klar wurde: damit etwas Neues wachsen kann,  muss anderes gehen.

Nicht dramatisch und auch nicht alles auf einmal, sondern durch bewusste Schritte.

Der eigene Boden

Nimm dir einen Moment, um  wirklich auf der Erde zu stehen. Spüre deine Füße, dein Gewicht, den Boden unter dir.

Frag dich:

  • Wovon habe ich mich im letzten Jahr genährt?

  • Was trägt mich im Moment wirklich?

  • Worauf stehe ich – konkret?

Manches, was dich bisher getragen hat, ist vielleicht nicht mehr tragfähig.
Manches darf jetzt bewusst abgelegt werden.
Nicht aus Ablehnung, sondern weil es seine Aufgabe erfüllt hat.

Du kannst es aussprechen oder aufschreiben.
Und dann dankend der Erde überlassen.

Reinigung – im Innen und Aussen

Reinigung zu Imbolc war nie nur innerlich. Sie war handfest. Besen. Rauch. Bewegung.

Früher wurden Menschen, Häuser, Ställe und Plätze gereinigt, damit der Winter sich lösen konnte.

Heute kann das heißen:

  • einen Raum gründlich auskehren
  • Decken ausschütteln
  • räuchern
  • euch gegenseitig mit den Händen abstreifen oder abrasseln…
  • In der Sauna schwitzen…
  • eigene Formen finden die Wintergeister zu vertreiben

Erst wenn etwas gegangen ist, wird Platz.

Dem Neuen Raum geben

Nach der Klärung und Reinigung entsteht etwas, das oft ungewohnt ist: Raum.

Imbolc ist die Zeit, in der sich zeigt, was aus der Dunkelheit langsam auftaucht.
Nimm dir Zeit, hinzuschauen.

Was hat sich in den letzten Wochen gezeigt – vielleicht schon seit den Rauhnächten oder seit dem Jahreswechsel? Was nimmt langsam Form an? Was ist nicht verschwunden, obwohl du es vielleicht eine Weile liegen gelassen hast?

Und dann prüfe ehrlich: Was von dem, was ich mir vorgenommen habe, fühlt sich noch realistisch an? Und wichtiger noch: fühlt es sich noch richtig an?

Manches klingt gut, trägt aber nicht. Manches wäre möglich, kostet aber zu viel Kraft.
Und manches meldet sich immer wieder, auch wenn du es gern auf später verschieben würdest.

Achte auf den Widerstand. Nicht, um ihn zu überwinden, sondern um ihn zu verstehen. Manchmal zeigt er, dass etwas nicht stimmt, manchmal, dass etwas ernst ist.

Geh noch einmal einen Schritt tiefer und frage dich klar: Was will ich wirklich? Nicht was sinnvoll wäre, nicht was andere erwarten, nicht was gut klingt… Glaube ich selbst an das, was ich mir vornehme? Und wenn nicht – was fehlt?

Vielleicht zeigt sich hier schon, was es braucht, damit etwas in Bewegung kommen kann:
Zeit. Unterstützung. Mut. Oder auch die Entscheidung, etwas sein zu lassen.

Feuer für das Neue

Imbolc war immer mit Feuer verbunden. Mit dem Entfachen des jungen Lichts.

Wenn du magst, entzünde ein Feuer oder eine Kerze. Nicht, um etwas zu erzwingen, sondern um dem Neuen ein Zeichen zu geben.

Du kannst innerlich benennen, wofür dieses Licht stehen soll.
Nicht als Versprechen, sondern als Ausrichtung.

Bitte um Segen – für dein eigenes Licht, für das, was wachsen will, und für die Schritte, die nötig sind.

Mit dem Feuer wird nicht entschieden, wie es weitergeht. Aber anerkannt, dass etwas begonnen hat.

Die Sonne kehrt zurück. Das Licht nimmt zu. Und auch wenn noch Winter ist: Der Funke ist da.

Kerzenweihe zu Imbolc / Lichtmess

Zu Imbolc wurden traditionell Kerzen für das kommende Jahr vorbereitet. Sie galten als Schutzkerzen und wurden zu besonderen Momenten entzündet.

So kannst du dieses Ritual einfach für dich gestalten:

  • Lege dir eine oder mehrere Kerzen bereit, die du im kommenden Jahr nutzen oder verschenken möchtest.
    Helle Farben passen gut zu dieser Zeit – weiß, creme, ein zartes Gelb oder Grün.

  • Reinige die Kerzen mit einem Tuch.

  • Reibe die Kerze anschließend mit etwas pflanzlichem Öl ein.
    Wenn du möchtest, kannst du dem Öl ein ätherisches Öl hinzufügen, das dich anspricht.

    Du kannst dich dabei an folgenden Qualitäten orientieren:

    • Gesundheit – z. B. Eukalyptus, Thymian oder Fichte

    • Frieden – z. B. Lavendel oder Zirbe

    • Klarheit, Wachheit – z. B. Zitrone oder Rosmarin

    • Wärme – z. b. Orange oder Mandarine

    • Kraft – z. b. Wacholder oder Kiefer

    Entscheidend ist nicht das „richtige“ Öl, sondern deine eigene Verbindung dazu.

  • Während du die Kerze einölst, richte dich innerlich darauf aus, wofür diese Kerze stehen soll.

Verschenkst du eine Kerze, kannst du einen kleinen Zettel dazulegen, auf dem ein Wort oder eine Ausrichtung notiert ist.